Presseinformation zum ADFC-Fahrradklima-Test 2022

Schlechtes Fahrradklima: Unna fällt im Fahrradklimatest wieder einmal durch

 

ADFC Unna fordert Bagger, Schaufel und Schilder statt Papier und Akten.

Das Fahrradklima in Unna ist gerade mal ausreichend: Mit einer 4,0 schnitt die Kreisstadt beim ADFC-Fahrradklima-Test 2022 ab, deutlich schlechter als Nachbarstädte wie Kamen, Bergkamen oder Selm. Und deutlich schlechter als vor zehn Jahren, als Unna noch mit der Note 3,3 besser als der bundesweite Durchschnitt war.

Am 29.06.2016 wurde im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehrsplanung das Zielnetz 2025 für den Radverkehr in Unna beschlossen. Damit sollten umfangreiche Verbesserungen in der Fahrradinfrastruktur erreicht werden: Schnelle und sichere Radwege von allen Stadt- und Ortsteilen zum Zentrum, sichere Verbindungen gerade auch zu den Schulen und Schulzentren sowie wichtigen Einrichtungen in Unna. Das Zielnetz ist mit wenigen Ausnahmen noch nicht mal am Start. Unsichere Wege schrecken vom Radfahren ab und führen zu steigenden Unfallzahlen.

Die damals beschlossene Handlungsstrategie umfasste folgende Hauptziele:

  1. Steigerung des Radverkehrsanteils von 11 auf 25 % bis 2025
  2. Verbesserung des städtischen Rangs beim ADFC-Fahrradklimatest
  3. Steigerung der Verkehrssicherheit des Radverkehrs.

Der Radverkehrsanteil liegt in Unna laut neu erfasster Modalsplit-Erhebung tatsächlich bereits bei 21 % liegt. Statistisch gesehen kann Unna also die angepeilte Steigerungsrate bis 2025 erfüllen. Für den ADFC Unna ist die Steigerung vor allem ein Ausdruck dafür, dass ein wachsender Teil der Menschen in Unna trotz mangelhafter Wege das Rad auch im Alltag nutzen – nicht zuletzt durch die stark angestiegene Zahl von verkauften Pedelecs. Man sollte bei den Ergebnissen der Haushaltsbefragung berücksichtigen, dass vor allem die Corona-Pandemie zur Steigerung des Radverkehrs beigetragen hat und der Anteil der ÖPNV-Nutzerinnen parallel gesunken ist.

Das Rad ist auf keinem guten Weg

Das Ziel einer Verbesserung des städtischen Rangs beim ADFC-Fahrradklimatest wird auch im neuen Jahr verfehlt. Nicht nur das: Unna rutscht immer weiter ab und wird von den Teilnehmer:innen des Tests nur noch mit der Schulnote 4,04 bewertet. Der im Jahre 2020 unterirdische Wert von 3,9 wurde hier noch einmal unterboten. Gelobt wird beim Klimatest nur die Erreichbarkeit des Stadtzentrums, die Wegweisung für Radfahrende und die allgemein gültige Regel, dass Einbahnstraßen in Gegenrichtung durch Radfahrende befahren werden können. Besonders ärgern tun sich Radfahrende demnach über schlechte Ampelschaltungen, die Breite der Radwege und fehlende Falschparkerkontrollen auf den Radwegen. Betrachtet man die Umfrage noch genauer, sind insbesondere auch das Sicherheitsgefühl, der Frage nach Konflikten mit Kraftfahrzeugen und dem Zustand der Radwege über die Jahre immer schlechter bewertet worden und landen sogar teilweise bei der Note Mangelhaft.

Wer Radwege sät, wird Radfahrende ernten.

Für den ADFC sind die schlechten Ergebnisse vor allem ein Zeugnis dafür, dass die Unnaer Radfahrenden nicht zufrieden mit dem Ausbau der Fahrradinfrastruktur sind. Insbesondere zurückhaltenden Menschen wird eine sichere Fahrt durchs Stadtgebiet aufgrund fehlender Angebote bislang verwehrt. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder auf kleinteilige Maßnahmen und farbige Markierungen gesetzt, die weder das Sicherheitsgefühl noch die wirkliche Sicherheit erhöhen. Wichtiger sind jedoch Maßnahmen zur baulichen Trennung der unterschiedlichen Verkehrsarten. Leider werden wie auch bei der Viktoriastraße, immer wieder Abstriche zulasten des Radverkehrs gemacht, damit der Autoverkehr weiterhin freie Fahrt genießt. Zwar befindet sich die Viktoriastraße mit einem neuen überwiegend abgetrennten Radweg kurz vor der Fertigstellung, an anderen wichtigen Stellen wie der Massener Bahnhofstraße, am Afferder Weg oder an der Iserlohner Straße ist bislang aber noch nicht einmal eine Trassenführung oder ein Baustart bekannt. Für zahlreiche Straßen wie z.B. der Morgenstraße, dem Kessebürener Weg und der Hermannstraße gibt es nach über 7 Jahren zwar Planungen, ein Baubeginn liegt aber noch in unzumutbarer Ferne. Positiv sieht der ADFC die Vielzahl an neuen Radabstellanlagen im Zuge der Fußgängerzonensanierung. Diese Verbesserung wird sich vermutlich im nächsten Fahrradklimatest positiv wiederspiegeln.

Unfallzahlen steigen, Vision Zero bleibt eine Vision

Erst vor wenigen Wochen hat der ADFC eindringlich darauf hingewiesen, dass die Unfälle mit Radfahrenden in die Höhe schnellen und es auf den Straßen immer gefährlicher wird. Während bei den Autos ein regelrechtes Wettrüsten festzustellen ist, bleibt die Knautschzone auf dem Zweirad fast immer gleich. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Unfälle auch immer folgenträchtiger werden. Damit ist auch das dritte Hauptziel bislang nicht erfüllt.

Es ist schon jetzt absehbar, dass eine Umsetzung des Zielnetzes bis 2025 nicht zu schaffen ist. Der ADFC mahnt an, dass mit dem Ausbauprogramm Radinfrastruktur aus dem Jahr 2020 und dem derzeit in der Erstellung befindlichen Masterplans Mobilität noch zwei weitere umfangreiche Konzepte im Raum stehen, die die Situation für Radfahrende verbessern sollen. Da die Konzepte teilweise aufeinander aufbauen, muss für alle Konzepte sichergestellt werden, dass der selbst gesteckte Zeitrahmen eingehalten wird und Maßnahmen nicht verwässert werden.

Eine Verbesserung im Fahrradklimatest ist ansonsten wie auch 2020 nur den Nachbarstädten vorbehalten, die sich zugunsten einer besseren Radverkehrsplanung gewandt haben. An vielen im Klimatest geäußerten Kritikpunkten könnten Politik und Verwaltung schnell Abhilfe schaffen. Der ADFC fordert daher in einem Antrag an den Rat, eine verbesserte Priorisierung des Winterdienstes und der Reinigung von Radwegen einzurichten. Desweiteren fordert der ADFC in einer weiteren Anregung an den Rat, dass die sogenannten "Bettelampeln", also Lichtsignalanlagen die nur auf Knopfdruck eine Grünphase bereitstellen, spätestens bis zum Jahre 2027 umgestellt werden. Auch die Verbesserung der Führung an Baustellen ist aus Sicht des ADFC schnell umsetzbar und ist durch eine entsprechende Anpassung der Ausschreibungskriterien bei Vergabe von Baumaßnahmen einfach machbar.

Der ADFC Unna bietet bei allen Fragen konstruktive Mitarbeit an und drängt auf eine schnelle Umsetzung um für das Fahrradklima in Unna endlich eine positive Kehrtwende einzuleiten.

Downloads

Zu enge Radwege

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Fahrradunfreundliche Ampelschaltung

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Verwirrende Verkehrsführung

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Zugeparkte Fahrradwege

2000x1500 px, (JPG, 335 KB)

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https://unna.adfc.de/artikel/presseinformation-zum-adfc-fahrradklima-test-2022

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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