Drahtesel des Jahres 2021

 

Alois und Gisela Witte & die Zusteller*innen des Hellweger Anzeigers

 

Frohsinnig bewegt. Sozial verbunden. Gesunde Inklusion
Alois & Gisela Witte

Auf Unnas Radwegen entgeht man ihm kaum. Alois Witte, 77, fit durch Fahrrad und Frohsinn, strampelt fast täglich seine Runden. Zweifacher Einzelkilometerkönig bei Unnas STADTRADELN, Gründungschef vom MGV-Frohsinn-Sanges-Team und jetzt Kapitän des 9köpfigen Familien-Teams Witte, wo er mit Schwiegertöchtern, Söhnen, Enkeln und Gattin Gisela natürlich auch den Sieg in der Familienwertung des Unnaer Stadtradelns miterstrampelte.

Alles ehrenwert. Aber den 57. Unnaer Drahtesel bekommen die beiden für ihr Antreten gegen die Krankheit MS (Multiple Sklerose). Die daran erkrankte Gisela konnte nicht mehr mithalten. Im Schicksalsschlag suchten die beiden nach Zukunftswegen zusammen. Und sie fanden das „Speditandem“, bei dem E-Bike und Rollstuhl mit einer stabilen Anhängerkupplung verbunden sind. Jetzt stehen 25 bis 45km Touren auf der Tagesordnung, in und um Unna, aber auch bis ins Münsterland.

Gegenwind weckt Abwehrkräfte, Sonne stärkt nicht nur beider Psyche. Alois lebt Frohsinn in seinem gleichnamigen Gesangsverein und er zeigt und singt seine frohen Botschaften auch auf der Straße! Ermunterndes Beispiel in schweren Zeiten. Und dass modernes Fahrradfahren heute viele Behinderungen erleichtern kann, macht Hoffnung für Unnas soziales Klima. Am letzten Unnaer STADTRADELN haben gut ein Dutzend Spezialräder für unterschiedlichste Hindernisse das Teilnahmefeld bereichert. Blindentandems, diverse Rollstuhlkombinationen, Dreiräder für Gleichgewichtsgestörte… Inklusion macht auch Radkultur bunter!

Danke Alois & Gisela Witte. Wir sehen uns frohsinnig nicht nur beim STADTRADELN.

In kalten Winternächten heißersehnte Frühstücksbeilage
Anja Malm und Renate Sommer stellvertetend für die Hellweger Zeitungszusteller*innen

Diese Radfahrer*innen werden nur von Frühaufstehern gesehen. Ein Wunder, dass in den verschneiten U-20-Grad-Nächten im Januar der Hellweger frühstücksfreundlich in Unnas Briefkästen steckte. Aber wer weiß und würdigt, dass von den 200 Zusteller*innen 50 jeden Werktagsmorgen vor 6 Uhr mit dem Fahrrad die frisch-gedruckten Nachrichten aus Unna und orbi ausgeliefert haben.

An den Klirrfrosttagen kam es zur Überraschung von Unnas Frühfrüstückern statt Verspätungen eher zu Verfrühungen, weil die geräderten Boten ihre Lieferkette möglichst früh starteten. Hellweger/Ruhrnachrichten/Westfälische Rundschau werden gegen 2 Uhr frisch-gedruckt in Bezirkspakete gebündelt, dazu kommen noch die in der Nacht gelieferten überregionalen Medien (von Süddeutscher, FAZ bis taz), die die Bot*innen mit ausliefern. Die Zusteller*innen holen sie an Abholpunkten. So beglücken die exemplarisch Geehrten Anja Malm und Renate Sommer jeweils in drei Bezirken gut 250 Haushalte mit ihren Zeitungswünschen. Die Wünsche wollen gewusst sein, denn Nachblättern in den Bezirksunterlagen kostet Zeit. Anja Malm ist Zustellerin in der 2. Generation und kennt jede Stolperstelle in Unnas Südstadt. Renate Sommer beradelt seit 8 Jahren Königsborner Bezirke, was sie deutlich fit hält. Unnas Radzusteller*innen sind zwischen 20 und 80 Jahre alt, kommen aus diversen Berufen (es gibt einen promovierten Zusteller) und unterschiedlichsten Gründen. Neben Lohn- oder Rentenaufbesserung ist Gesundheitsertüchtigung ein Motiv. Fitte Beine und ein gutes Gedächtnis sind Berufsgrundlage.

Wann die erste Zeitungsradzustellung erfolgte, haben wir noch nicht herausgefunden. Post wird seit 1896 mit Fahrrädern zugestellt. Die Zeitungszustellung mit dem Rad fand ihre Hochzeit in den 20er Jahren. Von 1920 bis 1954 waren die Zusteller-Rennen nicht nur in Berlin oder Paris gesellschaftliche Ereignisse. Dann schien es mit der Klima-freundlichen Zustellungsart zu Ende zu gehen. Doch in den letzten Jahren sind Lastenräder plötzlich wieder Trumpf.

In Deutschland gibt es ca. 160.000 Zeitungszusteller, mit dem Rad dürften 40.000 morgens ihre Runden drehen. Zusammen mit 20.000 gelben Postboten, 1.000 roten, UPS (wurde 1907 in Seattle als Fahrradtransportdienst gegründet), Liferando, diversen Fahrradkurierdiensten und Radrennställen dürften in unserem Lande gut 100.000 Menschen als aktive Radprofis leben. 280.000 Menschen arbeiten in Fahrradproduktion und -vertrieb. Dazu nutzen allein im Kreis Unna gut 1.000 Menschen das Rad bei der Arbeit (Bei Bayer Health Care (früher Schering) kreisen auf dem Werksgelände über 100 Räder, ähnlich bei Fiege, DHL, Aurabis…) Druckerei-Bresser bekam den Drahtesel für das erste Auslieferungslastenrad in Unna. Heute scheint die freundliche Bewegung zum Standard bei Handel und Verwaltung zu werden. Und der Kalauer, dass Zusteller Zusteller heißen, weil DHL-, Amazon-, Hermes-Sprinter besonders gern Radspuren zustellen, wird durch Fahrradzustellung hoffentlich bald Geschichte!

Ob es nochmal Zustellerrennen geben wird, ist zweifelhaft. Auf jeden Fall nehmen aber die Hellweger-Zusteller am Stadtradeln 2021 teil. Post/DHL, Rote Post und alle Firmen sind zu diesem Wettkampf für ein besseres Klima in unserer Stadt herzlich geladen.

Aber erstmal herzlichen Dank allen Zusteller*innen für ihren Allwettereinsatz, hier vertreten durch Anja Malm und Renate Sommer und den Team-Chef von Vertrieb-Unna, Markus Dollenkamp, der schon fleißig trainiert, um durch den Weg Hamm-Unna zur Arbeit die Teamkilometer zu pushen….

 

Downloads

Alois und Gisela Witte plus Enkel Alois

Copyright: Werner Wülfing

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Zustellerinnen des Hellweger Anzeigers

Copyright: Werner Wülfing

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Ehrung zum Drahtesel des Jahres 2021

Copyright: Werner Wülfing

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https://unna.adfc.de/artikel/drahtesel-des-jahres-2021

Häufige Fragen von Alltagsfahrern

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    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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