
Anno 1947 - Eine Verkehrerziehungswoche im Kreis Unna
Bereits im Januar 1946 forderte der Kreispolizeichef in einem Zeitungsartikel „mehr Disziplin im Straßenverkehr!“ und kündigte umgehende Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit an.
Die Verkehrsdisziplin, so seine Klage, sei derart gesunken, dass die Sicherheit auf den Straßen ernsthaft gefährdet sei. Besonders nachts seien „zumeist Radfahrer nicht ordnungsgemäß beleuchtet“. Daher wies er die Polizeibeamten an, „bei groben Verstößen gegen die Verkehrsvorschriften die betreffenden Personen zur Anzeige zu bringen“.
In den Amtlichen Bekanntmachungen vom 2. November 1946 wies der Kreispolizeichef zudem auf eine weitverbreitete Unsitte hin: Immer wieder würden die Autobahnen von nicht motorisierten Verkehrsteilnehmern – etwa Radfahrern, Fuhrwerken oder sogar Fußgängern – benutzt. Infolge dieser Verstöße sei es bereits zu mehreren schweren Verkehrsunfällen gekommen. Er erinnerte eindringlich daran, dass die Benutzung der Autobahnen für diese Gruppen grundsätzlich verboten ist.
Zugleich kündigte er an, künftig die Einfahrten und sogenannten Bailey-Brücken – Behelfsbrücken aus Stahl, mit denen zerstörte Übergänge provisorisch ersetzt wurden – elektrisch zu beleuchten. Diese Maßnahme sei notwendig, werde jedoch von Teilen der Bevölkerung missverstanden: Hinweisschilder und Glühbirnen seien in der Vergangenheit sogar entwendet worden. Der Polizeichef stellte klar, dass solche Zuwiderhandlungen künftig zur Anzeige gebracht würden.
Trotz dieser Mahnungen blieb eine deutliche Besserung zunächst aus. Auch im Jahr 1947 erschienen erneut amtliche Hinweise mit Überschriften wie „Die Autobahnen sind keine Promenaden!“.
Für die Woche vom 5. bis 11. Mai 1947 ordnete die Militärregierung schließlich die Durchführung einer Verkehrserziehungswoche im Kreis Unna an. Veranstaltungen fanden unter anderem am 7. und 8. Mai in Unna und Kamen statt.
Ziel dieser Aktion war es, die Selbstdisziplin der Verkehrsteilnehmer zu stärken und das Wissen über polizeiliche Verkehrszeichen zu vertiefen. Das Programm war abwechslungsreich gestaltet: Die Kapelle Stumpe und örtliche Sängervereinigungen sorgten für musikalische Unterhaltung, eine Tanzgruppe der Falkenjugend trat auf, und die Polizei erläuterte anhand großformatiger Verkehrszeichen deren Bedeutung. Zudem kamen sogenannte „Propagandawagen“, Plakate und Werbedias in den Kinos zum Einsatz, um die Bevölkerung nachhaltig für ein korrektes Verhalten im Straßenverkehr zu sensibilisieren.
Anmerkung:
Das oben gezeigte Bild stammt nicht aus dem Jahr 1947. Es zeigt Verkehrserziehung zwölf Jahre später im „Jugendverkehrsgarten Fredenbaum“ in Dortmund. Die Anlage der Jugendverkehrsschule von 1959 wurde nach umfangreichen Erneuerungsarbeiten im Januar 2023 neu eröffnet. Durch ADFC und Verkehrswacht werden jährlich 5000 Schüler und Schülerinnen auf diesem Gelände auf die sichere Teilnahme am Straßenverkehr vorbereitet.










