Räder für Flüchtlinge und sozial Bedürftige

Eine Gemeinschaftsinitiative von ADFC, Bündnisgrünen, Caritas – WeltOffen, ist auch unter Corona-Bedingungen aktiv.

Trotz der widrigen Umstände wurden in den vergangenen beiden Jahren alte Fahrräder wieder flott gemacht: Bremsen, Licht, Gangschaltung, Luft, Reifenmantel werden geprüft und instandgesetzt. Und manch ein Sonderproblem. Und wenn das Putzen nicht vergessen wird, dann strahlt wieder ein Fahrrad beim nächsten Ausgabetermin, und sucht einen neuen Besitzer. Ist die - oder derjenige gefunden, dann wird zudem ein Fahrradpass, nach Möglichkeit mit der Registrierungsnummer des Herstellers, auf ihn ausgestellt. Ein selbstgemachtes Foto dazu ist bei einer Diebstahlanzeige bei der Polizei sehr hilfreich. Eine Broschüre mit den wichtigsten Fahrrad-Verkehrsregeln gibt es in der Muttersprache der Geflüchteten, die den Hauptanteil der neuen Besitzer ausmachen, auch dazu. Dazu ein Fahrradschloss, und für die Jüngeren einen Fahrradhelm, dessen Kauf finanziell durch eine Spende der Bürgerstiftung ermöglicht wird. Aber auch andere sozial Bedürftige, die uns gemeldet werden, erhalten gegen einen geringen Betrag ein Fahrrad. Und wenn etwas am Rad kaputt geht, dann kann man sich zu einer Reparatur anmelden.

Das in dieser Corona-Zeit Flexibilität gefordert war, das wurde von den rund 11 ehrenamtlich Helfenden mitgetragen. Zum Beispiel wurden kleine Arbeitsgruppen von nur drei Personen an unterschiedlichen Tagen gebildet. Auch privat zu Hause wurden Fahrräder fertig gemacht. Bei der Ausgabe der Fahrräder wurden weniger Personen vorgesehen, und damit der zeitliche Abstand an Abholtagen, wann jemand kommen soll, vergrößert. Im Frühjahr, Sommer und Herbst des letzten Jahres wurde alles nach Außen verlegt. Seit Ende November 2021 wird unter der 2G+ Regel gearbeitet. Neben geimpft oder genesen bedarf es eines tagesaktuellen Tests. Auch die potenziellen neuen Besitzer müssen nun diese Regel erfüllen. Stets fanden Anpassungen wegen Corona statt. Dies erschwert die Arbeit erheblich, macht sie aber nicht unmöglich.

Im Team sind aktuell auch drei Geflüchtete, die neben ihrer technischen Bewandtnis auch mittels der Sprache bei der Vermittlung und Übergabe helfen. Momentan ist zusätzlich ein Geflüchteter aus Holzwickede bei uns im Team. Er übernimmt, da der bisherige Fahrradschrauber in Holzwickede krankheitsbedingt ausfällt, die Fahrradwerkstatt dort, und möchte noch einiges dazu lernen.

Nach der Bundestagswahl im letzten Jahr rief das Team mit einem Artikel im Hellweger Anzeiger zu Fahrradspenden auf, da der Bestand und die größenmäßige Auswahl keine zielgerichtete Vergabe mehr ermöglichten. Die Resonanz war riesig, und es wurden weit mehr Fahrräder gespendet als erwartet! Bis Mitte Dezember wurden über 100 Fahrräder im Umkreis von Unna abgeholt. Neben Unna selbst gab es Angebote aus den Gemeinden Kamen, Bergkamen, Holzwickede und Fröndenberg. Weitere Fahrräder wurden von den Spendern direkt in die Fahrradwerkstatt im SpontUN geliefert.

Diese Menge an Fahrrädern stellte in der Folge nun auch eine Herausforderung an die Unterbringung der Räder dar. Der größte Teil der Fahrräder (ca. 50) konnte in einem Keller einer Firma untergebracht werden. Die Bremerich Immobilien als Vermieter der Räumlichkeit erklärte sich bereit, dass dort Fahrräder kostenlos zwischengelagert werden dürfen. Die übrigen Räder verteilen sich auf drei weitere Lagerorte.

Einige der neuen Fahrräder konnten bereits - nach ihrer fahrtüchtigen Aufarbeitung - an neue Besitzer übergeben werden. Und mit unermüdlichem Elan wird die Arbeit fortgesetzt. Wir hoffen, dass bald wieder mehr möglich ist, oder dass wir uns ab dem Frühjahr wieder mit mehr Personen verteilt im Hof bei wärmeren Temperaturen etwas ausbreiten können. Und auch, dass wir alle zusammen endlich den gespendeten Verzehrgutschein, den wir bei der Übergabe des 500. Fahrrades im Sommer 2020 von den GRÜNEN erhalten haben, einlösen können.

Dass sich die ehrenamtliche Arbeit lohnt, dass zeigen immer wieder manch strahlende Augen beim Erhalt eines Fahrrades.

In all den Jahren wurden nicht nur einzelne Personen, mittlerweile über 600, sondern oft ganze Familien mit je einem Fahrrad versorgt. 

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