Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Unna

„Fahrradfreundliches“ Unna: Nicht mal „ausreichend“ im großen Test

Die Fahrradstadt Unna steigt ab: In zehn Jahren massiv verschlechtert

Das ist ein Absturz: Bei der Fahrradfreundlichkeit erreicht Unna im großen ADFC Test 2024 gerade mal die Note 4,1. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Hellwegstadt damit um fast eine ganze Note verschlechtert. Nur in der Öffnung der Einbahnstraßen für Radler*innen in Gegenrichtung, der Wegweisung und der Zahl der Fahrraddiebstähle liegt Unna noch knapp über dem Durchschnitt der Kommunen mit 50.000 bis 100.000 Einwohner*innen. Die Mängelliste ist dafür umso länger.

„Die Auswertung des ADFC-Fahrradklima-Tests bestätigt leider unsere Kritik“, sagt Tanja Bork aus dem Sprecherinnen-Team des ADFC Unna. Andere Kommunen investierten in den Radverkehr, Unna als einstiege Vorzeigestadt der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in NRW (AGFS) fahre politisch rückwärts in die Sackgasse.

Vergeblich hatte die Unnaer Fahrradlobby daran erinnert: In diesem Jahr sollte eigentlich das vor zehn Jahren im Rat beschlossene „Zielnetz 2025“ mit Radrouten aus allen Stadtteilen ins Zentrum fertig sein. Stattdessen: „Nicht nur Stückwerk, sondern Verschlechterung“, kritisiert die ADFC-Sprecherin. Laufend verstößt die Verwaltung sogar gegen das im vergangenen Jahr beschlossene Mobilitätskonzept. Beispiel: Die geplante Radtrasse von Massen nach Königsborn bleibt Stückwerk. „Und dass auf dem Abschnitt Afferder Weg als erstes mal Parkplätze auf der angeblichen Fahrradstraße eingezeichnet wurden, während die vorgeschriebenen Seitenmarkierungen aber fehlen, ist wohl bundesweit einmalig“, meint Carsten Hellmann aus dem Sprecherinnen-Team. Entsprechend benoteten die Unnaer Radlerinnen und Radler auch das Unnaer Angebot. Die Oberflächen der Fahrradwege, fehlende Attraktivität beim Radfahren für Alt und Jung werden besonders bemängelt, das Sicherheitsgefühl ist beeinträchtigt und die Ampelschaltungen sind aus Sicht der Radler*innen mangelhaft.

Platz 67 von 113 Kommunen in der Größenordnung von 50.000 bis 100.000 Einwohner, Note 4,11. Im Kreisvergleich ist nur eine Stadt, für die der ADFC Ergebnisse bekommen hat, noch fahrradunfreundlicher: Schwerte mit der Note 4,2.

Am besten schneidet im Kreisranking Selm ab – das Resultat 3,5 entspricht einem schwachen Befriedigend, womit die Stadt über dem Gesamtdurchschnitt des Fahrradklimatests 2024 liegt. Er beträgt 3,92.

Der Test soll Städten und Gemeinden dabei helfen, ihre Fahrradfreundlichkeit zu bestimmen. Die Ergebnisse, erläutert der Radclub ADFC, „sind für Kommunen eine Orientierungshilfe.

Sie können so Vergleiche zu anderen Orten ziehen, ihre Stärken und Schwächen herausfinden und gezielte Maßnahmen ergreifen, um den Radverkehr vor Ort weiter zu stärken.“

Der ADFC Unna erwartet, „dass sich die Stadtverwaltung intensiv mit diesem Ergebnis auseinandersetzt und dass der neue Rat hier endlich Entscheidungen zugunsten der Fahrradfreundlichkeit trifft.“ Tanja Bork: „Mehr Menschen nutzen das Fahrrad auch im Alltag. Sie brauchen sichere, schnelle und attraktive Wege. Und vor allem auch solche Wege, wo sie nicht auf Gehwegen zu Konflikten mit Fußgängerinnen und Fußgängern abgedrängt werden.“ Die Weichenstellung sei trotz dem aufwendig erarbeiteten Mobilitätskonzept in Unnas Verwaltung nicht angekommen. Note: Nicht mal ausreichend.

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