Dissel und Proll an der Schützenstraße © Horst Delkus

Anno 1879 - Die Wiege deutscher Fahrradindustrie stand in Dortmund

Die Firma F. H. Dissel produziert in Dortmund aus Bauteilen englischer Produktion Hochräder und ist somit die älteste deutsche Velociped-Fabrik.

Die deutsche Hochrad-Produktion begann in Dortmund

Die erste Fabrik, die in Deutschland ab dem Jahr 1879 Hochräder produzierte, war die in Dortmund an der Schützenstraße 12 gelegene Firma Dissel & Proll. Wie damals üblich, besaß auch Dissel & Proll eine eigene Fahrschule, da das Fahren eines Hochrades viel Anweisung und Übung erforderte. Neben Bicycles wurden in Dortmund auch Tricycles (Dreiräder) produziert. Diese hatten zwar einen höheren Rollwiderstand und die Fahrt war auf holprigen Straßen unbequem, aber die Fahrt war ungefährlich und auch für weniger sportliche Menschen möglich.

John Kemp Starley, Neffe von James Starley, erfand 1885 das revolutionäre „Rover Safety Bicycle“, ein Sicherheitsrad mit niedrigem Schwerpunkt, zwei gleichgroßen Rädern und freier Lenkung, da nun das Hinterrad über eine Kette angetrieben wurde. Das „Rover“ war bequemer, sicherer und schneller als andere Zweiräder. Die Erfindungen des Kugellagers (1884) durch Friedrich Fischer, der nahtlos gewalzten Stahlröhren im Schrägwalzverfahren (1886) durch die Gebrüder Mannesmann und des Luftreifens (1888) durch John Boyd Dunlop machten das zunächst belächelte Niederrad zu einem ausgereiften und massentauglichen Produkt.

Über den Unternehmensgründer Friedrich Heinrich Dissel ist leider bis heute so gut wie nichts bekannt. Humorvoll soll er und ein Tüftler muss er gewesen sein. Seine Schlosserei und mechanische Werkstatt gründete der Dortmunder im Jahr 1868, am Schwanenwall 47. Hier stellte er vor allem Herde her, sogenannte „Sprungherde“. Aus Eisenblech, mit einem Aufbau für den Bratofen oberhalb der Herdplatte und vielen Einzelteilen.

Neben Sprungherden baute Dissel auch flache Tafel- und Tischherde. Und natürlich führte er in seiner Werkstatt „sämtliche Schmiede- und Schlosserarbeiten“ aus. Das Absatzgebiet seines Unternehmens war nicht nur Dortmund und Westfalen sondern auch überregional: Für den Neubau eines Lokomotivschuppen in Göttingen bot Dissel 1975 erfolgreich Sparnägel, Torbeschläge und Zuganker an. Weitere Kunden gab es auch in Potsdam, Hamburg und Berlin. Nach ersten Anfangsschwierigkeiten holt Dissel einen Kompagnon mit ins Boot. Seit Anfang der 1880er Jahre nannte sich das Unternehmen „F. H. Dissel & Proll“.

Auf Erfolgskurs zieht das Unternehmen schließlich in die Nordstadt, um sich zu vergrößern. Dieser Bereich der Schützenstraße war damals der Unternehmensstandort. Sein Einstieg in die Firma scheint ihr neue Schubkraft gegeben zu haben, denn schon bald, heißt es in einem zeitgenössischen Bericht, konnte „an eine Vergrößerung der Fabrik gedacht werden.“ Die Fabrikation verlegte man nun in eine neues, großzügig angelegtes „Etablissement“ an die Schützenstraße 12. „Dissel & Proll“ wurde damit zur modernsten Fabrik zur Herstellung von Fahrrädern Deutschlands, die erste mit einer Dampfmaschine betriebene Fahrradfirma, verbunden mit einer Vernickelungsanlage, einer Schleiferei und einer Poliereinrichtung. Eigene Rohteile konnten so in Serie hergestellt, die Produktion erheblich ausgeweitet werden.

Einen längeren Bericht über Dissel & Proll sowie weitere Artikel zur Dortmunder Fahrradgeschichte von Horst Delkus können Sie bei den Nordstadtblogger lesen.

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Werbung Dissel & Proll, 1886

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Dissel und Proll an der Schützenstraße

Copyright: Horst Delkus

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Erstes Niederrad von Dissel & Proll

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